Auf die Haltung kommt es an

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Mal angenommen, Sie sind zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Sie betreten den Raum mit schlurfendem Gang, hängenden Schultern und gesenktem Kopf. Stellen Sie sich nun vor, wie Sie aufrecht und locker auf den Personalleiter zugehen und ihn lächelnd und mit festem Händedruck begrüßen. Sie ahnen vermutlich, in welcher Situation Sie überzeugender wirken und Ihre Chancen auf den Job größer sind.

Tatsächlich ist Selbstbewusstsein nicht nur eine (beneidenswerte) Charaktereigenschaft, sondern auch eine Frage der Körperhaltung. Dies haben US-Wissenschaftler von der Northwestern University in Illinois nachgewiesen können. Danach können schon machtvolle Posen das Selbstbewusstsein spürbar stärken. Der Einfluss der Körperhaltung ist sogar größer als die konkrete Vorstellung, sich in einer Machtposition zu befinden.

Die Forscher ließen 77 männliche und weibliche Studenten zunächst Fragebögen ausfüllen, um ihre Führungsqualitäten zu ermitteln. Dann wurde den Probanden gesagt, sie würden im folgenden Experiment entweder Vorgesetzter oder Mitarbeiter sein. Während die Teilnehmer auf das Feedback warteten, wurden sie gebeten, an einem vermeintlichen Marketing-Test für ergonomische Stühle teilzunehmen. Dazu mussten einige Probanden drei bis fünf Minuten lang in beengter Position auf einem Bürosessel verbringen, die Hände auf den Oberschenkeln, die Beine zusammen und die Schultern nach vorne gebeugt. Die anderen saßen dagegen auf einem bequemeren Modell mit weit ausgebreiteten Armen und Beinen. Anschließend durften sie die ihnen vorher zugedachten Rollen einnehmen. Dabei sollten sie bestimmte Wort-Fragmente ergänzen. Interessant war: Die Versuchsteilnehmer, die zuvor in einer ausladenden Pose saßen, bildeten dabei deutlich häufiger Wörter, die im Zusammenhang mit Stärke und Durchsetzungskraft stehen, wie z. B. „lead“ für „führen“ oder „power“ für „Kraft“ – Anzeichen für dominantes Denken und Handeln.

Auch wer unter Prüfungsangst leidet, kann allein schon mit einer entsprechenden Körperhaltung etwas dagegen tun. So zeigt eine aktuelle Studie an der Unviersität von San Francisco: Wer bei einer Prüfung aufrecht sitzt, empfindet die Aufgaben als leichter. Lümmelt man dagegen mit krummem Rücken auf einem Stuhl herum, fallen die gleichen Aufgaben deutlich schwerer. Die Forscher hatten 125 Freiwellige Rechenaufgaben lösen lassen. Dabei zeigte sich: Am meisten profitierten von einer aufrechten Körperhaltung diejenigen, die unter Prüfungsangst litten.

Unklar ist noch, wie genau die Körperhaltung unser Selbstbewusstsein und Leistungsvermögen beeinflusst. Vermutlich registriert das Gehirn selbst geringe Muskelanspannungen im Körper und reagiert mit entsprechenden Verhaltensweisen. Grund genug also, zwischendurch immer mal wieder seine Körperhaltung zu überprüfen und bei Bedarf zu korrigieren. Das kommt auch der Gesundheit zugute, denn: Eine aufrechte, aber lockere Körperhaltung entlastet Knochen, Muskeln und Gelenke, verbessert die Funktion der inneren Organe, vertieft die Atmung und beugt Rückenschmerzen vor.

Hier noch ein paar weitere hilfreiche Alltagstipps:

  • Ihnen steht eine Prüfung oder eine Präsentation bevor? Dann bereiten Sie sich auch körperlich darauf vor: Stellen Sie sich aufrecht hin, die Füße sind hüftbreit auseinander und zeigen nach vorne. Nehmen Sie die Schultern nach hinten, indem Sie mit den Armen leicht rückwärts rotieren. Sagen Sie sich: „Ich bin gut, und ich schaffe das.“
  • In Stresssituationen sollten Sie öfter mal bewusst die Schultern lockern. Öffnen Sie den Mund, anstatt die Zähne aufeinander zu beißen. Auch eine ruhige und tiefe Atmung in den Bauch entspannt. Leichter gelingt das Loslassen, wenn das Ausatmen länger als das Einatmen dauert.
  • Sie grübeln immer wieder über ein Problem nach? Dann hilft eine einfache Technik aus dem Neurolinguistischen Programmieren (NLP): Richten Sie Ihren Blick bewusst nach oben. Dadurch kommen Sie mental raus aus dem Problem, und die Lösung fällt Ihnen leichter.

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