Lesetipp: Das Rushing Woman Syndrom

Morgens schnell die Kinder zur Schule bringen, dann zum Meeting hetzen, Arzttermine wahrnehmen, nebenbei Einkäufe erledigen, den Haushalt schmeißen und private Termine organisieren: Viele Frauen erleben permanenten Dauerstress und fühlen sich wie im Hamsterrad. Auch ich kann ein Lied davon singen. Da mich das Thema „Frauen und Stress“ schon seit langem auch aus beruflicher Sicht interessiert, war ich gespannt, als ich vor kurzem das Buch „Das Rushing Woman Syndrom“ (Trias Verlag, 2017) von Dr. Libby Weaver erhielt. „Dr. Libby“, wie sie in ihrer Heimat Neuseeland und Australien genannt wird, ist dort als renommierte Ernährungsspezialistin bekannt. Sie hat erforscht, warum Frauen heute mehr denn je in Eile sind und welche gesundheitlichen Folgen das für sie hat. Für dieses Phänomen hat sie den Begriff des „Rushing Woman Syndrom“ geprägt.

„Das Gefühl ständig in Eile zu sein, schadet der Gesundheit der Frau massiv und auf nie dagewesene Weise“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin und Biochemikerin. Allerdings ist bislang weitgehend unbekannt, welch großen Schaden Dauerstress auf körperlicher und seelischer Ebene gerade bei Frauen anrichtet – angefangen von Stoffwechsel, Verdauung und Nervensystem bis hin zu Emotionen und Hormonhaushalt. Umso mehr ist „Dr. Libby“ das Thema ein dringendes Anliegen. Das spürt man aus jeder Zeile des Buches. Was ich persönlich gut finde: Sie will gestresste Frauen wachrütteln – allerdings ohne erhobenen Zeigefinger. Vielmehr erklärt sie Zusammenhänge zwischen Stress, körperlichen und seelischen Prozessen und nennt verschiedene Lösungsansätze. Vieles davon ist bekannt (z. B. gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und Schlaf). Aber es gibt auch ungewöhnliche Denkanstöße – wie etwa gute Taten oder die Suche nach dem Sinn des Lebens.

Fazit: Ein fundierter Ratgeber für gestresste Frauen, der mehr als 08/15-Tipps enthält und zu Veränderungen anregt.

Guter Schlaf macht glücklich

Wenn man gut schläft, fühlt sich das wie ein Gewinn im Lotto an. Zu diesem Ergebnis kamen Psychologen um Dr. Nicole Tang von der Universität Warwick. Die britischen Forscher hatten die Schlafmuster von mehr als 30.000 Teilnehmern über einen Zeitraum von etwa vier Jahren ausgewertet. Dabei zeigte sich: Diejenigen, die ihre Schlafqualität und -dauer verbessern konnten, taten damit auch etwas für ihre körperliche und mentale Gesundheit. Der Effekt war vergleichbar mit dem Gewinn eines Jackpots von 200.000 britischen Pfund (umgerechnet etwa 230.000 Euro). Dabei erwies sich die Schlafqualität im Hinblick auf den Gesundheitszustand und das Glücksempfinden bedeutsamer als die Schlafdauer.

Von wegen dumm gelaufen: „Unperfekt“ sein dürfen mindert Stress

Eine nicht gesicherte Datei auf dem PC, der Kratzer am Auto beim unvorsichtigen Einparken oder der verschüttete Kaffee auf dem Hemd direkt vor einer wichtigen Präsentation: Es gibt viele Situationen im Alltag, in denen man sich über sich selbst ärgert. Vor allem für die Perfektionisten unter uns ist es eine schmerzhafte Erfahrung, wenn einem ein Fehler passiert. „Hätte ich doch bloß besser aufgepasst!“ sagen sich viele und machen sich dabei noch mehr Stress.

Weniger Stress mit To-do-Listen

©Stock Photo

To-do-Listen haben viele Vorteile: Sie geben einen Überblick über anstehende Aufgaben. Sie können helfen, Ziele leichter zu erreichen. Und sie sorgen für ein befreiendes Gefühl, wenn man Aufgaben erledigt und diese abhaken kann (deswegen liebe ich noch immer Papier-Wochenplaner und -Kalender :-)). Doch To-do-Listen erweisen sich jedoch mitunter als tückisch und frustrierend – spätestens dann, wenn man sich zu viel vorgenommen hat und feststellt, dass man nur einen Bruchteil der ursprünglichen Aufgaben geschafft hat.

Zu viel arbeiten ist ungesund

Dass zu viel Arbeit der Gesundheit schaden kann, ist bekannt. Doch dies gilt nicht nur für Manager mit 14 Stunden-Arbeitstagen. Wie Wissenschaftler der Australian National University in Canberra herausfanden, liegt die kritische Grenze bereits bei 39 Stunden wöchentlich – eine Stundenzahl, wie sie für viele Vollzeitjobs üblich ist.

Für ihre Studie hatten die Forscher 8.000 Erwachsene im Alter zwischen 24 und 65 Jahren zu Haushalt, Einkommen und Arbeitsdynamik befragt. Wie die Auswertung der Daten ergab, wirkten sich lange Arbeitszeiten negativ auf die mentale und körperliche Gesundheit aus. Den Grund hierfür sehen die Studienautoren in der durch lange Arbeitstage bedingten geringen Freizeit. Dadurch bliebe Betroffenen weniger Zeit, sich gesund zu ernähren oder durch Sport und Entspannung für Ausgleich zu sorgen.

Frauen oft stärker belastet

Interessant sind auch die ermittelten großen Unterschiede zwischen den Geschlechtern. So lag die allgemeine „gesunde Grenze“ für Männer bei bis zu 47 Arbeitsstunden wöchentlich, da diese weniger Zeit mit Kindererziehung, Pflege  und Haushalt verbringen. Bei weiblichen Arbeitnehmern erhöhte sich bereits ab 34 Stunden Arbeitszeit pro Woche das Risiko für Stress und mentale Erkrankungen. „Trotz der Tatsache, dass Frauen im Durchschnitt genauso gut ausgebildet sind wie Männer, haben sie oft schlechter bezahlte Jobs und weniger Autonomie als Männer“, erklärt Studienleiterin Dr. Huong Dinh. Zudem sei ihre Belastung durch Familie und Haushalt auch heutzutage meist immer noch größer.

Die Studie wurde auch im Fachblatt Social Science & Medicine veröffentlicht.