„Unkraut zupfen gegen Stress“ oder warum Entspannung so einfach sein kann

Dienstag-Spätnachmittag: Ein langer Arbeitstag am Schreibtisch liegt hinter mir. Meine Muskeln sind angesichts zahlreicher Projekte und nahender Abgabetermine verspannt, meine Augen von der vielen Bildschirmarbeit müde und gereizt. Doch es gibt einen Lichtblick: Das Kind ist noch bei seinen Freunden verabredet ;-), bis zum Abendessen wäre noch Zeit für eine Jogging-Runde. Das Wetter ist auch perfekt. Normalerweise würde ich unter diesen Umständen sofort die Gelegenheit nutzen, meine Sportschuhe schnüren und loslaufen. Doch dann passiert etwas – für mich – sehr Merkwürdiges: Ich höre deutlich eine Stimme, die sagt: „Ich habe jetzt keine Lust zu laufen. Ich würde jetzt viel lieber etwas Unkraut zupfen.“ Wie bitte?

Ich drehe mich um, kann aber niemanden in meiner Nähe entdecken. Und dann nochmal: „Lass‘ die Laufschuhe stehen und schnapp‘ dir lieber den Unkrautstecher.“ – „Ok, denke ich. Das ist dann wohl deine innere Stimme, die gerade mit dir spricht.“
Und was soll ich sagen: Meine innere Stimme hat gewonnen. Voller Hingabe und in Ruhe habe ich begonnen, verirrte Grashalme und kleine Moosnester aus Gehwegplatten zu ziehen sowie Unkraut aus den Beeten und dem Rasen zu entfernen. Dabei habe ich mich systematisch Meter für Meter durch die Rückseite unseres Gartens gearbeitet. Hinterher war ich (auch ob des Anblicks der nunmehr fast unkrautfreien Flächen) so zufrieden und entspannt wie lange nicht mehr. Was war passiert? Ich habe einfach auf die Signale meines Körpers gehört und einfach das getan, was er gerade gebraucht hat (in meinem Fall Ruhe)– etwas, das wir in unserem hektischen Alltag oft vergessen oder sogar (fast) verlernt haben.
Dieses Erlebnis hat mir wieder einmal bewusst gemacht, wie simpel und einfach Entspannung manchmal sein kann. Dass Gartenarbeit sich ganz besonders zum Stressabbau eignet, steht inzwischen außer Frage. So konnten Wissenschaftler schon vor Jahren nachweisen, dass bereits 20 Minuten Gartenarbeit die Konzentration von Stresshormonen im Körper drastisch senkt. Und wer keine Lust auf Unkraut jäten hat, keinen Garten sei eigen nennt oder es einfach gemütlicher mag: Selbst der pure Anblick von Pflanzen verringert innerhalb von wenigen Minuten den Blutdruck und bessert die Laune. Daher mein Tipp: Nach einem stressigen Tag öfter mal einfach nur die Natur genießen. Das kann man natürlich auch beim Joggen – nächstes Mal. 😉

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