Wenn nichts mehr läuft, dann lauf!

??????????????????Dass Joggen gesund ist und Stress abbaut, davon braucht man mich nicht mehr zu überzeugen: Schon seit Jahren schnüre ich (möglichst) 🙂 regelmäßig meine Laufschuhe. Dass Laufen mehr kann, als viele ahnen, weiß Gastautor Peter Reichardt. Er ist staatlich geprüfter Ergotherapeut mit sozial-psychiatrischer Zusatzausbildung und Lauf Instructor. Gemeinsam mit Olaf Lauing bietet er eine seit Kurzem auch von den Krankenkassen anerkannte Lauftherapie www.laufimpuls.de an. Lesen Sie, was er über den therapeutischen Wert des Laufens zu sagen hat:

Gastautor Peter Reichardt

Gastautor Peter Reichardt

„Laufen“ ist seit einigen Jahren ein Sport, der in der Bevölkerung vieler Länder sehr verbreitet ist und häufig praktiziert wird. Es gibt heute eine enorme Zahl an Publikumsläufen mit teilweise Leistungen wie im Spitzensport, aber auch eine Altersstruktur unter den Läufern von sehr jung bis ganz alt, wie man – so glaube ich – in keiner anderen Massensportart vorfinden kann. Ich selbst begann vor mehreren Jahren mit regelmäßigem Ausdauertraining. Dabei nimmt Laufen einen sehr hohen Anteil ein. Das weckte auch mein Interesse am Bewegungstraining im medizinischen, speziell im psychiatrischem Bereich.

Laufen und Bewegen ist natürlich gesund, keine Frage.  Aber steckt nicht mehr dahinter? Warum ist es gerade Gehen oder Laufen? Man braucht in der Entwicklung des Menschen gar nicht soweit zurückblicken, so waren diese Bewegungsformen ein tägliches Muss, um überhaupt überleben zu können. Der Mensch ist dafür geschaffen, sich zu bewegen und hat auch beste anatomische Voraussetzungen dafür. Die Depression ist in ihren Erscheinungsformen ein Zustand der mehr oder weniger körperlichen und seelischen Starre. Es ist bei depressiven Patienten vielleicht wirklich der erste Ruck, den sie brauchen, um an einer Bewegung teilzunehmen, der wichtigste. Einmal im Gehen oder Laufen erfahren sie die vielen positiven Effekte, die eine Bewegung mit sich bringt. Sie erfahren, Kontrolle über den Körper zu haben, man sieht und spürt die Natur rundherum, man vergisst für einige Zeit die belastenden Dinge. Ängste, welche ständig präsent waren, werden in dieser Zeit vergessen, es entwickeln sich Kontakte innerhalb der Laufgruppe, die sich auch sehr gut auf das restliche Tagesgeschehen auswirken. Nervosität und Unruhe werden positiv beeinflusst, Spannungen gelöst, Stimmungen und Affekte verändern sich. Auch körperliche Beschwerden wie Rücken- oder Kopfschmerzen können verschwinden, die Verdauung reguliert sich wieder, und was ganz wichtig ist, es stellt sich wieder ein normaleres Schlafverhalten ein. Es ist für mich gut vorstellbar, dass dadurch durchaus auch Medikamente sparsamer eingesetzt werden können.

Sehr wichtig erscheint mir auch, dass die Patienten mit dieser Therapie etwas erlernen, das sie später zu Hause fortführen können, und sich somit eine stabilere Stimmungslage verschaffen, oder sogar durch eine erlernte Strategie eine neuerliche Erkrankung verhindert wird. Unerlässlich bei einer depressiven Erkrankung bleibt eine gute ärztliche, medikamentöse und psychotherapeutische Therapie, aber die Lauf- und Bewegungstherapie liefert wertvolle Impulse, und ist als ergänzende und zusätzliche Therapie nicht wegzudenken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.