Wie überlebt man einen Kindergeburtstag ohne Nervenzusammenbruch?

Colorful happy birthday candlesIch bin Mitglied im Texttreff, dem Netzwerk wortstarker Frauen. Jedes Jahr im Dezember gibt es etwas ganz Besonderes: das Blogwichteln. Dabei wird ausgelost, wer wen mit einem Gast-Beitrag erfreut. Ich hatte das Glück, mich von Daniela Dreuth bewichteln zu lassen. Sie ist Lektorin und Texterin, Herausgeberin des Blogs Kinderohren sowie Mutter zweier Söhne – also stresserprobt. 😉 Lesen Sie hier ihre Tipps für einen entspannten Kindergeburtstag.

Gastautorin Daniela Dreuth

Gastautorin Daniela Dreuth

Wie überlebt man einen Kindergeburtstag ohne Nervenzusammenbruch?

Zugegeben, diese Überschrift ist etwas übertrieben. Aus eigener Erfahrung und den Erzählungen von Freunden und Bekannten weiß ich jedoch, dass allein der Gedanke an eine Kinderparty bei manchen zu Herzrasen führt. Das kommt daher, dass es so viele Unwägbarkeiten gibt. Oft kennen die Eltern einen Teil der Gäste nicht und können daher nicht abschätzen, wie die geplanten Aktivitäten ankommen werden. Oder sie kennen die Kinder und wissen genau, dass es immer Reiberein zwischen A und B gibt oder C grundsätzlich alles doof findet.

Natürlich kann man nicht alles planen, aber einige Hürden kann man schon im Vorfeld elegant umgehen.

Die Zahl der Gäste

Es gibt eine alte Faustregel, die besagt, dass das Kind so viele Gäste einladen darf, wie es alt wird. Ich finde jedoch, sie passt nicht immer. Hat das Kind mehrere Geschwister, die natürlich dabei sein werden, sollte es trotzdem noch ein paar Freunde einladen dürfen. Findet die Feier im Winter in einem kleinen Wohnzimmer statt, können weniger Kinder eingeladen werden, als wenn im Sommer in einem großen Garten oder Park gefeiert wird. Ist das Kind gerade vom Kindergarten in die Schule gewechselt, sollte man großzügiger sein, damit sowohl alte als auch neue Freunde kommen können.

Nichts ist schlimmer, als wenn zu viele Kinder auf zu engem Raum zusammengepfercht werden. Dann kann man sicher davon ausgehen, dass es zu Streit kommen wird.

Nie allein

Ich habe immer andere Mütter bewundert, die solch eine Feier alleine wuppen können. Ich habe mich das nie getraut und lieber den Partner, eine gute Freundin oder jemanden aus der Verwandtschaft um Hilfe gebeten. Selbst wenn die Kinder gerade friedlich alleine spielen, ist es doch beruhigend zu wissen, dass jemand da ist, wenn man selbst in der Küche verschwindet. Wie schnell kann die Stimmung umschlagen!

Es könnte sich auch ein Kind verletzten. Gut, wenn eine Person ohne Stress trösten und Pflaster kleben kann, während die andere sich um die restlichen Kinder kümmert.

Ablauf grob planen, aber flexibel bleiben

Zuerst Kuchen essen, dann eine Schnitzeljagd, danach ein bisschen Basteln und vor dem Abendessen noch eine Runde im Garten Spiele machen: So kann eine Grobplanung aussehen. Sollte sich dann herausstellen, dass die Kinder sich alleine Beschäftigen oder ein Spiel zehnmal wiederholen wollen, können Sie für einen Moment entspannt zusehen. Jetzt zu drängeln, weil sonst womöglich die Zeit nicht mehr zum Basteln reicht, wäre kontraproduktiv. Wenn alle Kinder gerade Spaß haben, ist das Ziel doch erreicht.

Grundsätzlich sollten immer mehr Aktivitäten geplant werden, als Zeit zur Verfügung steht. Man muss immer damit rechnen, dass ein Spiel nicht ankommt, die Kinder schneller mit dem Basteln fertig sind, als man erwartet hat oder ein unangekündigter Regenguss dafür sorgt, dass alles nach drinnen verlegt werden muss. Manche Eltern können dann tolle Spielideen aus dem Ärmel schütteln. Ich kann das nicht, ich fühle mich sicherer, wenn ich noch etwas in petto habe. Bewährt haben sich hier kleine Karteikärtchen in der Hosentasche, die einem im Fall des Falles schnell auf die Sprünge helfen.

Alles bereitlegen

Nichts ist schlimmer, als wenn eine Aktivität angekündigt ist und es dann nicht losgehen kann. In solchen Wartezeiten können Kinder auf die blödesten Ideen kommen oder fangen an, sich zu streiten oder gegenseitig zu ärgern. Also sollten Sie alle benötigten Materialien vorher zusammensuchen, damit es flott weitergehen kann.

Wechsel zwischen Toben und Ruhe

Erst gemütlich Kaffeetrinken und dann eine komplizierte Bastelarbeit? Das wird bei vielen Kindern nicht gut funktionieren. Am besten ist es, Sie wechseln ruhige Aktivitäten mit solchen ab, bei denen die Kinder sich austoben müssen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es, egal wie das Wetter ist, auf jeden Fall für mindestens eine halbe Stunde nach draußen gehen sollte. Eine Schnitzeljagd bzw. Schatzsuche geht immer – man muss sie aber nicht so nennen. Bei uns mussten schon Detektive einen Fall lösen, im Jahr einer Sommerolympiade an verschiedenen Stationen kleine sportliche Aufgaben gelöst werden, die Kinder gingen auf Bärenjagd (und fanden einen großen, aus Pappe ausgeschnittenen Bären und eine Packung Pom Bären), suchten Außerirdische oder machten archäologische Ausgrabungen auf dem Spielplatz. Hier können wunderbar die derzeitigen Interessen des Geburtstagskindes einfließen und eine einfache Idee zu etwas ganz Besonderem werden.

Danach ist es den meisten Kindern möglich, lange genug stillzusitzen, um ein Gesellschaftsspiel zu machen, zu basteln oder eine Vorführung des privaten Kasperletheaters anzuschauen.

Einfaches Essen

Sie können toll kochen und haben viele exotische Ideen? Heben Sie sie besser für ihre Freunde auf. Je jünger die Kinder sind, desto weniger experimentierfreudig sind sie beim Essen. Pommes, Wiener, Pizza mit Wunschbelag, dazu Möhren, Gurken, Radieschen, kleine Tomaten und Kohlrabi als Rohkost zum Knabbern, dazu enorme Mengen Ketchup, damit kann man meistens punkten. Kann man ein Lagerfeuer machen, ist der Klassiker Stockbrot heute noch so beliebt vor 30 Jahren. Die Wünsche des Geburtstagskindes sollten zwar nach Möglichkeit berücksichtigt werden, ist sein Lieblingsessen aber beispielsweise Sushi, sollte zumindest noch eine Alternative bereitstehen. Wenn ein Kind trotzdem mault? Sparen Sie sich alle Überredungsversuche und bieten ihm ein belegtes Brot an. Mag es das auch nicht, bekommen die Eltern beim Abholen eben die kurze Info, dass ihr Kind noch nicht gegessen hat. Fertig.

Was Sie aber nicht vergessen sollten: Fragen Sie auf der Einladung, ob ein Kind Allergien oder Unverträglichkeiten hat, damit Sie das berücksichtigen können. Es ist schlimm, wenn einer der kleinen Gäste hungrig zuschauen muss, weil es nicht Geeignetes für ihn gibt.

Umgang mit kleinen Querulanten

Es kann immer passieren, dass ein Kind querschießt. Damit umzugehen ist schwierig, denn man möchte ja, dass es allen gefällt. Hier braucht es ein wenig Gefühl. Vielleicht liegt diesem Kind ein Spiel gar nicht. Ist es zufrieden, wenn es aussetzen und zuschauen darf? Gut, dann lassen Sie es. Will es andere überreden, auch nicht mitzuspielen und versucht, das Spiel zu sprengen? Oder verweigert es sich jedem Spiel? Halten Sie sich vor Augen, dass die Kinder im Kindergarten oder in der Schule auch nicht immer ihren Willen bekommen können. Machen Sie klare Ansagen, was als nächstes läuft und was Sie von den Kindern erwarten. Schießt eins ständig quer, dürfen Sie ruhig auch mit einem Anruf bei den Eltern drohen (am besten, Sie speichern alle Nummern vorher auf ihrem Handy, auch für den Notfall). Und ggf. tatsächlich anrufen. Das mag sich vielleicht für einen Moment wie ein Versagen anfühlen, aber Sie sind schließlich weder ausgebildeter Pädagoge noch haben Sie einen Betreuungsvertrag für das Kind. Ich habe mit meinen Kindern inzwischen bestimmt zwanzig Geburtstage gefeiert und war bei anderen Familien dabei. Ich habe nie erlebt, dass ein Kind tatsächlich abgeholt werden musste. Aber es tut gut, diese Möglichkeit im Hinterkopf zu haben.

Viel Spaß bei der nächsten Feier!

 

3 Antworten auf Wie überlebt man einen Kindergeburtstag ohne Nervenzusammenbruch?

  • Annette sagt:

    Super-Tipps, habe bei allem genickt! Trotzdem habe ich beim 6. Geburtstag zum ersten Mal outgesourct und war deutlich entspannter (trotz Fallback-Optionen, tatkräftiger Unterstützung und eigentlich ganz lieben Kids) – ich tauge einfach nicht zur Kinderdompteuse. Daher möchte ich einen Tipp ergänzen: Kenne deine Grenzen und respektiere sie ;-)))).

    • Stella Cornelius-Koch sagt:

      Liebe Annette,
      eine schöne Ergänzung. Seine Grenzen zu kennen und zu respektieren, hilft ja auch in anderen stressigen Lebenslagen. Auf jeden Fall verläuft der Kindergeburtstag dann entspannter.

  • Daniela sagt:

    Das stimmt natürlich. Wir waren auch schon mal auf Wunsch des Geburtstagskindes im Klettergarten. Das fand ich zur Abwechslung sehr entspannt.
    Was auch hilfreich ist: Sich nicht von dem Trend anstecken lassen, immer noch mehr oder noch Tolleres zu bieten als andere Familien. Das dient nur dem Ego der Eltern, die Kinder brauchen das gar nicht, die wollen einfach Spaß haben.

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