Mauern gegen den Stress

antistressmauerIch bin Mitglied im Texttreff – dem Netzwerk wortstarker Frauen. Dort gibt es jedes Jahr eine schöne Tradition – das Blogwichteln. Hierbei wird unter den teilnehmenden Bloggerinnen ausgelost, wer für wen einen Artikel schreibt. Diesmal hatte ich das Glück, von Silke Jäger “bewichtelt” zu werden. Als gelernte Ergotherapeutin, Online-Redakteurin, Lektorin, Texterin und Journalistin konzipiert, schreibt und redigiert sie Texte für die Healthcare-Branche. Gleichzeitig ist sie mit dem Thema Stress bestens vertraut und hat mit ihrer Stressschutz-Mauer ein wirksames Mittel gegen die Belastungen des Alltags gefunden. Lesen Sie in Ihrem Gastbeitrag, wie dies funktioniert …

silke jaegerDie Vorstellung von einer Mauer, die den Stress abhält und das innere Gleichgewicht schützt, ist ein Bild, das mir hilft. Denn es macht den Zusammenhang zwischen Selbstfürsorge und Stressbewältigung greifbarer und unterstützt mich dabei, rechtzeitig gut für mich zu sorgen. Je besser das klappt, desto eher fühle ich mich gut gewappnet für stressige Zeiten. Denn die lassen sich ja allzu oft nicht vermeiden.
Die Bestandteile meiner Stressschutz-Mauer werden aus wertvollen Rohmaterialien hergestellt. Dazu gehören ausreichend Schlaf, genügend Wasser, regelmäßige Bewegung und gute Pausen.

 

Das Fundament: Ausreichend Schlaf

Als Mutter habe ich ein besonders inniges Verhältnis zum Schlafen. Nicht nur der Schlaf meiner Kinder ist mir heilig, sondern in circa 10 Jahren, in denen ich zu wenig guten und zu viel schlechten Schlaf bekommen habe, bin ich auch zur energischen Verteidigerin meines eigenen Schlafs geworden. Je besser ich schlafen kann, desto besser ist meine Antistressmauer im Untergrund verankert. Fehlt Schlaf, wird das Fundament brüchig, es droht sogar der völlige Zusammenbruch der gesamten Stressabwehr.
Für ausreichend Schlaf zu sorgen, ist für mich aber auch ohne Kinder schwer, denn ich bin vom Chronotyp her eher eine Eule. Zwar habe ich gelernt, die Vorteile des frühen Aufstehens zu erkennen und zu nutzen, aber wenn man mich ließe, würde ich lange schlafen, eine Stunde mittags ruhen, meinem natürlichen Tief von 17.00 bis 19.00 Uhr nachgeben und in die Nacht hinein arbeiten. Man kann sich gut vorstellen, dass man in unserer Zivilisation mit einem solchen Rhythmus nicht leicht zu einem ausgeglichene Schlafkonto kommt. In der Kinderphase heißt es aber erst recht: anpassen, was das Zeug hält. Das ist harte Arbeit und lange habe ich nicht erkannt, dass es das ist. Mittlerweile kann ich akzeptieren, dass ich einen Mittagsschlaf einplanen muss und dass er wichtiger ist als das Aufräumen von Küche und Wohnzimmer. Und ich habe eingesehen, dass ich um 22.00 Uhr ins Bett gehen sollte, wenn der Schlaf eine Chance haben soll, zu mir zu kommen.

Linktipp: Chronotypen http://www.zeit.de/2010/44/Schlafforschung-Chronobiologie/komplettansicht

 

Der Sockel: Genügend Wasser

Wenn ich viel zu tun habe, vergesse ich das Trinken. Das geht am Computer schon schnell, wenn ich zu Hause herumwirbele aber noch schneller. Ruckzuck sind zwei Stunden vergangen, ohne dass ich einen Tropfen Wasser zu mir genommen habe. Dann fühle ich mich von einer auf die nächste Sekunde sehr erschöpft und komme mir wenig belastbar vor. Ich habe mir angewöhnt, beim Einsetzen dieses Gefühls zuerst mal ein Glas Wasser (im Winter auch ungesüßten Kräutertee) zu trinken und dabei Erstaunliches festgestellt: Die Flüssigkeit wirkt sofort. Ich werde wacher, fühle mich stärker, kann mich besser auf den nächsten Arbeitsschritt fokussieren und ihn konzentrierter abarbeiten. Außerdem stelle ich fest, dass ich oft nicht hungrig, sondern durstig war und dass ich keine lange Pause brauchte, sondern Flüssigkeit. Ein stabiler Sockel, also genügend Flüssigkeit, sorgt dafür, dass die Stressschutz-Mauer nicht ins Wanken gerät.

Linktipp: Was sonst noch in punkto Wassertrinken interessant ist http://www.apotheken-umschau.de/Ernaehrung/Warum-Trinken-so-wichtig-ist-74983.html

 

Die Backsteine: Regelmäßige Bewegung

Bewegung gilt mittlerweile als Wundermittel und Geheimwaffe gegen alle möglichen Beschwerden. Doch darauf will ich nicht hinaus. Für mich ist Bewegung Stressprophylaxe. Lange Zeit habe ich so wenig Schlaf gehabt, dass ich mir nicht vorstellen konnte, wie ich ein Sportprogramm schaffen soll. Meine Antistressmauer hatte damit weder ein stabiles Fundament noch war sie ausreichend hoch. Denn ich habe mich fast gar nicht bewegt. Mein Anspruch, Bewegung solle Sport sein, hat dafür gesorgt, dass mir die regelmäßige Bewegung abhanden gekommen ist.
Bewegung sorgt dafür, dass der Zellstoffwechsel angekurbelt wird: Die Zellen können ihre Abfallprodukte besser loswerden. Wenn der Körper sich mit seinem eigenen Müll nicht so sehr beschäftigen muss, weil der regelmäßige Abtransport so sicher läuft wie der kleine Zeiger der Uhr, kann er sich viel besser auf die aktuellen Herausforderungen einlassen. Deshalb versuche ich jetzt jeden Tag eine halbe Stunde Bewegung einzubauen. Am einfachsten ist spazierengehen oder radfahren. Einmal die Woche schwimmen oder Pilates, zweimal rennen. Abgenommen habe ich davon nicht, aber ich fühle mich weniger schnell gestresst. Und ich stelle fest, dass es nach der echt harten Anlaufphase immer leichter wird, meine Antistressmauer damit hochzuziehen.

Linktipp: Bewegung und Psyche http://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/03/koerper-psyche-gefuehle-gesundheit/komplettansicht

 

Der Mörtel: Gute Pausen

Was gute Pausen sind? Das ist sehr individuell. Aber einige gemeingültige Kriterien wage ich aufzustellen. Man kann zwischen geplanten und ungeplanten Pausen unterscheiden. Die geplanten Pausen haben meist eine vorbestimmte Länge, damit sie sich gut in den Tagesplan einfügen. Häufig sind sie rhythmisiert, täglich um 11.00 beispielsweise, und oft sind auch gewisse Tätigkeiten vorgeplant, wie zum Beispiel Essen oder spazieren gehen. Eine geplante Pause kann festen Ritualen folgen und mit Tätigkeiten bestückt sein, die Erholung bringen oder aber freilassend sein, sodass man auf das jeweils aktuelle Bedürfnis gut reagieren kann. Geplante Pausen einzuhalten ist für die meisten kein Problem, aber sie auch so zu nutzen, dass man sich anschließend erholt fühlt, klappt nicht automatisch.
Eine Pause sollte eine echte Unterbrechung der Tätigkeit sein. Wer viel sitzt, sollte also keine sitzende Pause machen, sondern eher spazierengehen oder sich hinlegen. Wer schwer körperlich arbeitet, sollte seinem Körper Entspannung anbieten, ob mit Ausgleichsbewegung oder durch Ruhe. Wer mit Menschen zusammenarbeitet, braucht in der Pause vielleicht eher das Alleinsein, wer einen einsamen Arbeitsplatz hat, geht in der Pause womöglich liebend gerne in eine Kantine oder ein Café.
Bei ungeplanten Pausen ist es wichtig, dass man sie rechtzeitig macht und nicht erst, wenn man schon sehr erschöpft ist. Sonst dauern sie nämlich länger und bringen oft keine wirkliche Erholung mehr.
Linktipp: Nichtstun, leichtgemacht http://www.donothingfor2minutes.com

 

Antistressmauer im Einsatz

Wenn man sich den Stress als Welle vorstellt, die anschwillt und abebbt, wird die Funktion einer ausreichend hohen und stabilen Stressschutz-Mauer schnell deutlich. Bei niedriger und instabiler Mauer schwappt die Welle über die Mauerkrone und überflutet das Hinterland. Es droht Ertrinken. Je höher die Mauer ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Stress dem schutzbedürftigen Gebiet nichts anhaben kann. Vielleicht spritzt mal etwas Wasser hinüber, eine Pfütze entsteht, aber eine echte Notlage sieht anders aus. Dann wird man belohnt dafür, dass man seine Stress-abwehr gut gepflegt hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.