Sei mal wieder Kind

girl with chewing gum posing in the Studio

Ich gebe es zu: Kinderbücher faszinieren mich und Pippi Langstrumpf ist (auch heute noch) meine Heldin. Außerdem macht es mir einen Riesenspaß, Kaugummiblasen zu machen und diese geräuschvoll platzen zu lassen. Allerdings geht es mir wie vielen Menschen: Im (beruflichen) Alltag leben wir Erwachsenen unsere infantile Seite nicht oder nur selten aus.   

Schade eigentlich. Denn wie wichtig dies für ein entspanntes Leben ist, wurde mir bewusst, als ich kürzlich auf einer Tagung eine Sprecherin sagen hörte: „Es gibt Tage, an denen bin ich sechzig, und es gibt Tage, an denen bin sechs Jahre alt.“ Die Lebensfreude und Energie war der Rednerin deutlich anzusehen. „Bravo“, dachte ich „so muss es sein“. Denn was sagt das kalendarische Alter eigentlich über einen Menschen aus? Heißt das, dass es man jenseits der 50 seine kindliche Phantasie und seinen Humor vor anderen verstecken muss, weil es sich nicht „schickt“, sich im reiferen Alter wie ein Kind zu benehmen? Bedeutet alt sein automatisch erwachsen zu sein (was auch immer das ist)? Mitnichten, konnte ich doch schon häufig feststellen, wie „verbohrt“ schon manche 30-Jährige daher kommen, während viele 70-Jährige Jüngere mit ihrem Witz, Charme und Humor andere Menschen regelrecht mitreißen. Ich persönliche kenne einige „betagte Spaßvögel“, die ihren guten Gesundheitszustand vermutlich ihrer positiven Lebenseinstellung verdanken. Und auch eine aktuelle US-Studie an der Universität von Kalifornien in San Diego bestätigt, dass das mentale Wohlbefinden mit dem Alter stetig zunimmt. Während die Probanden in den Zwanzigern und Dreißigern hohe Stresspegel und Symptome von Depressionen und Ängsten aufwiesen, waren die Senioren mental „besser drauf“.

Damit mich keiner falsch versteht: Es geht mir nicht um den viel diskutierten Jugendwahn. Meiner Meinung nach sollte man mit 60 nicht krampfhaft auf 20 machen, sondern zu seinem Alter stehen und stolz darauf sein. Doch ich finde: Ein kleines bisschen Kind-Sein stünde uns allen gut zu Gesicht und würde für mehr Entspannung im Alltag sorgen. Ideen dazu gibt es viele. Man muss sie nur nutzen: So sind beispielsweise in der kanadischen Stadt Montreal Bushaltestellen mit Schaukeln der Renner bei Jung und Alt. Und auch das spontane Verteilen von Wasserspritzpistolen an Erwachsene hat schon begeisterte Nachahmer gefunden. Hier noch ein paar Ideen für alle, die es weniger nass mögen: Zungenbrecher üben, Klatsch-Reim-Spiele spielen, Roller/Gokart fahren, Seifenblasen machen … Oder wie wäre es mal wieder mit einem Spiele-Abend bei Freunden?

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