Stressfalle Home-Office

Stressfalle Home-Office

Stressfalle Home-Office (Bildquelle: fotolia.com)

Immer mehr Mütter und Väter arbeiten – teilweise oder ausschließlich – von zu Hause aus. Ich auch. Und ich muss sagen: Als Selbständige und Freiberuflerin schätze ich die Freiheiten, die ein Home-Office bietet. Ein Büro in der Stadt haben, wäre vielleicht repräsentativer (wobei ich auch schon Verlags- und Projektleiter an meinen Mini-Konferenztisch sitzen hatte), ist aber nichts für mich: Arbeiten zu Hause in grüner Umgebung ist genau das Richtige für mich (zumal in meinem Büro keiner sieht, dass ich in Socken am Schreibtisch sitze ;-)). Außerdem bin ich so viel produktiver und kann Beruf und Familie besser vereinbaren.

Stressfalle Home-Office

Aber natürlich hat das Zu-Hause-Arbeiten auch seine Schattenseiten. Und die hat eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung unter Leitung der Gender- und Arbeitszeitforscherin Dr. Yvonne Lott vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) jetzt aufgedeckt. Demnach ist das zuletzt  viel beworbene Home-Office nicht unbedingt so gut wie sein Ruf. Insbesondere für uns Mütter kann es die Doppelbelastung sogar erhöhen und die klassische Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern festigen oder verstärken.

Im Klartext: Mütter, die im Home-Office arbeiten, kommen in der Woche auf drei Stunden mehr Betreuungszeit für Kinder als solche, die nicht von Zuhause aus arbeiten. Gleichzeitig machen sie wöchentlich eine zusätzliche Überstunde im Job. Anders sieht es bei den Vätern aus: Sie machen zwar im Homeoffice wöchentlich zwei Überstunden mehr als Väter ohne Heimarbeit, nehmen sich aber nicht mehr Zeit für die Kinder. Einen ähnlichen Unterschied machte die WSI-Wissenschaftlerin Lott bei selbstbestimmten Arbeitszeiten aus.

Ihr Fazit: Zusätzliche Erholungszeiten, etwa für Schlaf, individuell gestaltete Freizeit oder Sport, haben Eltern durch flexible Arbeitszeiten nicht – und zwar weder Mütter noch Väter. Mit anderen Worten: Im Home-Office ist die Gefahr der Selbstausbeutung insbesondere für Frauen groß. Die Forscherin schlägt daher politische Maßnahmen vor, um die Gleichstellung zu fördern und die zeitliche Belastung von Eltern zu reduzieren – unter anderem durch Erhöhung der Partner-Monate beim Elterngeld, ein Recht auf Familienarbeitszeit, Abschaffung des Ehegatten-Splittings und eine „lebenslauforientierte Personalpolitik“.

Meiner Meinung nach greifen solche Maßnahmen jedoch erst, wenn man selbst für das Arbeiten im Home-Office klare Regeln aufstellt und Strukturen schafft – sprich: gut für sich sorgt. Hier ein paar Tipps, die auch mir persönlich helfen:

Ein eigenes Büro: In den ersten Jahren meiner Selbstständigkeit habe ich mir – mit einem Regal als Raumteiler – mein Mini-Home-Office eingerichtet. Dies war den hohen Mietpreisen in München, wo ich damals wohnte, und der beengten 2-Zimmer-Wohnung geschuldet. Glücklicherweise gehören diese Zeiten der Vergangenheit an, und ich schätze meine beiden Büroräume (quasi ein kleiner Bürotrakt ;-)) im eigenen Haus. Ich kann nur jedem raten, ein eigenes Zimmer als Büro einzurichten – auch wenn es noch so klein ist. Das sorgt für klare Strukturen: Hier ist der Raum fürs Arbeiten, dort der Bereich fürs Private. Folge: Man ist im Büro selbst auf die Arbeit fokussierter und (im Idealfall) weniger durch Privates abgelenkt. Auch von kleinen und großen Familienmitgliedern wird die Heimarbeit so eher akzeptiert. Ich schließe zum Beispiel bei einem wichtigen beruflichen Telefonat einfach die Tür, um zu signalisieren, dass ich gerade nicht gestört werden will. Ist ein eigenes Büro (derzeit) nicht möglich, sollte man zumindest klare Strukturen für den Arbeitsbereich (durch Raumteiler o. ä.) schaffen.

Arbeitszeiten: Ich gehe immer zur gleichen Zeit ins Büro und mache möglichst immer zur gleichen Zeit Feierabend. Dadurch gerate ich gar nicht erst in Versuchung, den Arbeitsbeginn nach hinten aufzuschieben oder lange Überstunden machen zu müssen (Ausnahmen bestätigen die Regel!). Im Zweifelsfall gilt: lieber in der Woche etwas mehr „ranklotzen“, dafür aber am Wochenende frei haben, um Körper und Seele die notwendige Erholung zu geben und Zeit für die Familie zu haben. Will auch heißen: Berufliche E-Mails checke ich am Wochenende oder im Urlaub nicht (auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel!). Falls mir zum Feierabend oder danach noch etwas Wichtiges einfällt, notiere ich mir das – mit dem Hinweis, mich morgen darum zu kümmern.

Kommunizieren: Egal, ob Verwandte, Freunde oder Bekannte: Es hat eine Zeitlang gedauert, bis alle verstanden haben, dass ich nicht zu jeder Zeit privat verfügbar bin, sondern arbeite, auch wenn ich zu Hause bin. Will heißen: Über die Einladung zur Familienfeier kann man auch nach Feierabend reden. Den Schwatz mit der Nachbarin sollte man mit Hinweis auf die Arbeit kurz halten. Wem es schwer fällt, nicht ans private Telefon zu gehen: einfach den Anrufbeantworter einschalten. Dann kann man immer noch entscheiden, ob es wichtig ist und man ran geht. Das Handy notfalls außer Sichtweite legen, auf stumm schalten und nur in den Pausen WhatsApp-Nachrichten und Anrufe checken.

Terminplanung: Wenn möglich plane ich Interviews, Besprechungen oder andere berufliche (Telefon-)Termine für den Vormittag oder vor 15 Uhr ein. Da kann ich sicher sein, dass ein nach Hause kommendes Schulkind nicht ins Gespräch platzt oder ich während eines Termins nicht ständig auf die Uhr schielen muss. Zugegeben: Das gelingt nicht immer. In diesem Fall muss der Göttergatte, die Oma oder ein Babysitter ran, die man natürlich stets rechtzeitig über ihren Einsatz informieren sollte. Auch Arzttermine (Standardfrage: Können Sie besser vor- oder nachmittags?) lege ich lieber vor der Arbeit auf den frühen Morgen (oder notfalls in die Mittagszeit).

Kleidung: Wie schon geschrieben, bin ich im Home-Office gerne mal in Socken unterwegs. Aber sonst kleide ich mich so, wie ich auch ins Büro gehen würde. Jeans und T-Shirt sind bei mir absolut okay. Auch die Haare dürfen vor dem Laptop mal lufttrocknen, wenn zu wenig Zeit zum Föhnen bleibt. Aber im Schlafanzug oder Jogginganzug am Schreibtisch sitzen? Never! Entweder ich arbeite oder ich habe Freizeit. Ich bin davon überzeugt, dass dies auch der Professionalität zugutekommt. Und wenn ich mir vorstelle, dass die Chefredakteurin am Telefon im Frottee-Jumpsuit mit Teddybär-Kapuze dasitzt … Aber lassen wir das besser. 😉

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