Weniger arbeiten, mehr leben?

Schild Arbeit FreizeitImmer mehr Arbeitnehmer und –geber erkennen glücklicherweise, dass Arbeit nicht alles im Leben ist. Als Vorzeige-Land für eine bessere „Work-Life-Balance“ gilt (mal wieder) unser skandinavisches Nachbarland. So testen in der schwedischen Stadt Göteborg einige Unternehmen bereits seit einiger Zeit den Sechs-Stunden-Tag – mit positiven Ergebnissen: Die Mitarbeiter sind seltener krank, dafür leistungsfähiger und aufmerksamer. Bei einigen Firmen ist – trotz der verringerten Arbeitszeiten – sogar der Gewinn gestiegen. Also eine “Win-win-Situation“ für beide Seiten?

Im Prinzip ja. Allerdings sollten wir nicht vergessen: Nicht nur wir Menschen sind unterschiedlich, sondern auch unsere berufliche Tätigkeiten. Gut für den, der sein Hobby oder seine Passion zum Beruf gemacht hat. Er/Sie merkt oft gar, wie die Zeit vergeht (Psychologen bezeichnen dieses Phänomen auch als „flow“). Für alle anderen, bei denen an einen Sechs-Stunden-Tag nicht zu denken (oder aus finanziellen Gründen nicht machbar) ist, gilt: Zähne zusammenbeißen und durch. Zugeben, die Arbeitsbedingungen sind heutzutage selten ideal: Befristete Verträge, Personaleinsparungen, Arbeitsverdichtung, Überstunden oder ein schlechtes Betriebsklima machen vielen Arbeitnehmern das Leben schwer. Allerdings haben Sie es selbst in der Hand, wie Sie damit umgehen:

Positiv denken:  Tatsache ist: Gedanken sind Kräfte. Wenn ich schon morgens schlecht gelaunt und pessimistisch in den Tag starte („Der Chef/Kunde wird mich bestimmt wieder runter machen“), ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dies auch so eintritt. Besser: Sich schon beim Aufwachen sagen: „Heute wird ein schöner Tag. Ich werde alle Herausforderungen bestens meistern.“ Weiterer Vorteil: Ihre gute Laune wirkt ansteckend auf andere (möglicherweise auch auf Ihren grimmigen Chef/Kunden).

Prioritäten setzen: Auch wenn Sie es nicht mehr hören können: Arbeiten Sie Ihre Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit ab (Stichwort: Eisenhower-Prinzip). Ideal: Den „dicksten Brocken“ zuerst anpacken. Dann hat man das Gefühl, schon viel geschafft zu haben und der Rest läuft leichter. Ein großes Problem ist die Ablenkung durch ständig eingehende Nachrichten. Doch alle zehn Minuten die E-Mails abzufragen, ist meist reine Zeitverschwendung – einmal davon abgesehen, dass dies einen immer wieder „raus“ bringt. Am Ende des Tages ist man oft frustriert, weil man „so wenig“ geschafft hat und der Arbeitsberg nicht weniger wird. Besser: E-Mails im Block abarbeiten und beispielsweise nur dreimal am Tag (morgens, mittags und kurz vor Feierabend) abrufen. Tipp für alle, die sich leicht ablenken lassen: Nachrichten-Eingangs-Funktion ausschalten.

Ausgleich schaffen: Das ist gerade dann wichtig, wenn es bei der Arbeit schlecht läuft. Mein Tipp: Sind Sie körperlich erschöpft, nicht unbedingt für den nächsten Stadt-Marathon trainieren, sondern es lieber langsam angehen lassen – vielleicht durch Entspannungsübungen, einen Sauna-Abend oder Spaziergang. Dagegen tut Schreibtisch-Tätern  „Auspowern“ durch Sport als Ausgleich zum vielen Sitzen oft gut. Freizeit ist oft knapp und daher kostbar. Daher mein Tipp: Hören Sie in sich hinein, und machen Sie nach Feierabend das, was Ihnen persönlich gut tut – auch, wenn dadurch der Wäscheberg noch etwas länger liegen bleibt. 😉

2 Antworten auf Weniger arbeiten, mehr leben?

  • Christine Apelt sagt:

    Vielen Dank für diesen Beitrag!
    Ich hatte vorletzes Jahr mit einem Burnout zu kämpfen und bin nach einer längeren Auszeit nach und nach wieder in den Job eingestiegen. Dabei habe ich gemerkt, dass mir die reduzierten Arbeitsstunden extrem gut getan haben. Natürlich war ich auch nicht mehr so belastbar wie früher, doch generell sollte man sich die Frage stellen, wie belastbar wir Menschen überhaupt sind.
    Ich war oft überfordert mit dem Alltag – mehrere Kinder, deren Hobbys, der Haushalt, der Job und viele Freundschaften unter einen Hut zu bekommen – das war echt viel.
    Teilweise habe ich mich wie eine demente alte Frau gefühlt, die sich nichts mehr merken konnte.
    Meine Psychologin riet mir dann nebenbei Gedächtnisübungen zu machen. Das versuche ich mehrmals die Woche einzubauen. Wenn es nur für 10 Minuten ist.
    Es entspannt mich, nicht mehr so vergesslich zu sein. Teilweise musste ich drei Tage hintereinander zur Drogerie gehen, weil ich bei jedem Einkauf etwas vergessen hatte. Da wird man schlichtweg irre. Der zusätzliche Stress, den ich mir dadurch aufgebürdet habe war sicher auch ein Faktor, der zu meiner Krankheit geführt habe.
    Ich kann daher nur jedem raten: Versuchen Sie die Arbeit zu reduzieren und sich im Alltag auf das Wesentliche zu konzentrieren. VIele Dinge, die wir für wichtig halten, sind es auf den zweiten Blick gar nicht.

  • Stella Cornelius-Koch sagt:

    Liebe Frau Apelt,
    vielen Dank für Ihren interessanten Erfahrungsbericht. Ich denke, wir müssen alle genau auf unseren Körper hören und uns auf das Wesentliche konzentrieren. Weniger ist oft mehr.
    Herzliche Grüße
    Stella Cornelius-Koch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.